Was lernt HR aus der Krise für die Zukunft? Ein erstes Fazit!

Noch stecken wir allen mitten drin – in einer der größten Krisen, die Deutschland und die Welt seit langem zu bewältigen haben. Schon in den ersten Wochen, hat jeder seine einzelnen kleinen Learnings aus der Krise für sich verbucht. Sei es eine vermeintliche Kleinigkeit, wie „plane dir auch im Homeoffice eine Mittagspause ein“ oder „es geht ja doch auch auf einem anderen Weg“. Es ist erstaunlich wie viel Unternehmen und auch Einzelpersonen innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben, damit das Arbeiten in dieser Zeit möglich gemacht werden kann.

Nun leben wir alle seit fast zwei Monaten mit enormen Einschränkungen und wir finden es ist Zeit ein erstes Resümee zu ziehen. Am Anfang dieser Krise hat mich das Zitat „Alle reden von NewWork und meinen Homeoffice“ oft zum Lachen gebracht. Doch jetzt mal ehrlich: Was lernt HR aus der Krise? Wir haben dazu 12 Praktiker und Experten gefragt, welches ihr ganz persönliches und wichtigstes Learning für die Zukunft aus dieser Zeit ist. Anbei die 11 tollen Statements, die dazu zusammen gekommen sind:

Was lernt HR aus der Krise: Bettina Mötting, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln

Im Mittelpunkt der Pandemie steht die Gesundheit, aber wir erkennen auch…Corona ist eine Herausforderung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, diese Krise kann uns in der Gleichstellung von Frau und Mann um Jahre zurück werfen. Kurzarbeit, Kündigungen und Insolvenzen zwingen Familien in die klassischen Rollenbilder zurück. Denn letztendlich bleibt der Elternteil zu Hause, der weniger verdient. Und das sind meistens die Frauen, die häufig in Teilzeit arbeiten und die immer noch mit einem niedrigeren Lohnniveau kämpfen müssen (der Gender Pay Gap liegt bei 21%). Der moderne Vater 4.0, der sich gerne in die Sorgearbeit einbringen möchte, wird in die Rolle des Haupternährers zurück gedrängt. Für beide Elternteile eine sehr unbefriedigende Aussicht. Finanziell werden die Familien in der Coronakrise zu wenig bedacht. Deshalb wünsche ich mir neben egalitären Lebenspartnerschaften als gesellschaftlich selbstverständliches und fest verankertes Partnerschaftsmodell ein Elterngeld, welches es beiden Elternteilen ermöglicht,  ihren Job weiter in Teilzeit ausüben zu können. Gelebte Gleichstellung auch in Zeiten von Corona.“

Bettina Mötting, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln

Nadine Kutz, Expertin für Resilienz & Achtsamkeit | mission re:focus

Zweifelsfrei fordern Krisen leider immer ihren Tribut. Dennoch zeigt diese Krise, wir können mit gleichsinnigem und kooperativem Handeln schnell kreative Lösungen entwickeln und eine globale Herausforderung lösen. Eine annehmende Haltung und ein gemeinwohlorientiertes Mindset beschleunigen den Fortschritt. Widerstand lähmt. Konkurrenz- und Silo-denken auch. Wenn wir das erkennen und hier bewusst lernen, werden wir als Individuen und als Gesellschaft gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Nadine Kutz, Expertin für Resilienz & Achtsamkeit | mission re:focus

Was lernt HR aus der Krise: Robindro Ullah, Geschäftsführer trendence Institut GmbH und HR Blogger

Aus Sicht einer datengetriebenen Organisation muss ich sagen, dass eines der wichtigsten Learnings ist, dass man regelmäßig Analysen fahren sollte und sich immer wieder die Zielgruppen vor Augen führen muss. Corona hat gezeigt, dass Erfahrungswissen sehr schnell wertlos sein kann. Keiner hätte vor Corona behauptet es gebe demnächst einen Systemrelevanz-Hype (jeder 4. Studierende will seit Corona in einem systemrelevanten Bereich arbeiten; Quelle: Trendence Corona HR Monitor). Mein persönliches Learning: VUCA has arrived. Wir müssen uns darin schulen, datenbasiert auf unvorhersehbares zu reagieren.

Robindro Ullah, Geschäftsführer trendence Institut GmbH und HR Blogger

Anne Engelshowe, Employer Branding Bloggerin & Trainerin für die Gesundheits- und Sozialwirtschaft

Die Krise und die Diskussion um systemrelevante Berufe haben der Gesundheits- und Sozialwirtschaft besondere Aufmerksamkeit geschenkt – das war wichtig und längst überfällig. Ich hoffe, dass die Branche es schafft, diesen Aufwind für sich zu nutzen, um auch zukünftig laut und selbstbewusst sichtbar zu sein und wirkliche Veränderungen zu bewirken. Beeindruckend finde ich auch den Austausch und die Vernetzung über Unternehmens- und Organisationsgrenzen hinaus, die sich in den letzten Wochen ergeben haben. In Initiativen, wie zum Beispiel CAREhacktCORONA, wird gemeinsam kreativ und ganz pragmatisch nach Lösungen für Herausforderungen der Krise gesucht.

Anne Engelshowe, Employer Branding Bloggerin & Trainerin für die Gesundheits- und Sozialwirtschaft

Andy Fuchs, Teamlead Employer Branding, TÜV Rheinland AG

Wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt schon ein Learning aus der Corona Krise ziehen kann, dann ist es für mich die Besinnung zur Reduzierung auf das Wesentliche. Meetings werden, soweit es möglich ist, eher kurz und knapp gehalten. Der Teilnehmerkreis ist dabei auf eine sinnvolle Größe beschränkt. Außerdem werden durch die virtuelle Durchführung über Telefon und Video wichtige Ressourcen gespart. Das mobile und virtuelle Arbeiten hat natürlich auch seine Nachteile. Die Pflege von zwischenmenschlichen Beziehungen ist schwierig und die Themen Teambuilding und Führung werden oftmals vernachlässigt. Hier gibt es aus meiner Sicht einen erhöhten Bedarf an Schulungen und Trainings. Aber diese Weiterbildung gibt es ja bereits und werden sich in Zukunft einer hohen Nachfrage erfreuen. Ein letzter Punkt, den ich sehr interessant finde: Es wird beim Thema Home Office nicht mehr nach dem „Warum“ gefragt, sondern nur noch nach dem „Wie“.“

Andy Fuchs, Teamlead Employer Branding, TÜV Rheinland AG

Stefan Scheller, HR Blogger & Experte Persoblogger.de

Aus meiner Sicht in erster Linie: Dankbarkeit. Uns sollte durch die Ereignisse rund um den Corona-Lockdown bewusst werden und bleiben, wie gut es uns alles in allem geht. Vielleicht schaffen wir es, dieses Gefühl der Dankbarkeit zu konservieren, um zukünftig noch bewusster und liebevoller mit uns selbst, unseren Mitmenschen und der Umwelt umzugehen.

Stefan Scheller, HR Blogger & Experte Persoblogger.de

Julia Collard & Sven Schnitzler, Leitung Vertrieb & strategisches Marketing EUFH | HR Blogger

Was lernt HR aus der Krise?Unendlich viel – im Job, persönlich, gesellschaftlich: Zum Beispiel, dass man mit 40 Personen von einem auf den anderen Tag „anders“ arbeiten kann und sich unser Modell, über das wir aus Überzeugung sprechen, bloggen und das wir l(i)eben, auch in der Krise mehr als bewährt (im Gegensatz zu manch anderer Doppeltspitze 😉

Einen “Corona-Arbeitstag” pro Woche behalten wir auch in Zukunft bei. Da wird von zuhause gearbeitet, das Auto nicht genutzt, gemeinsam gekocht und abends gespielt statt ferngesehen.

Julia Collard & Sven Schnitzler, Leitung Vertrieb & strategisches Marketing EUFH | HR Blogger


Marcel Rütten, HR Blogger HR4Good.com

Zunächst einmal lernen wir aus dieser Krise Demut und dass es nicht immer nur nach oben geht. Ein Gefühl, das wir in Deutschland lange nicht mehr kannten oder im Zweifel noch nie kennengelernt haben. Schließlich liegt die letzte Krise mehr als zehn Jahre zurück. Sie lehrt uns zudem kostensensitiver zu sein und die Effizienz unserer Ausgaben weiter zu optimieren. Hierzu braucht es mehr denn je aussagekräftige Daten, die uns auf Fehlentwicklungen hinweisen und kreative Maßnahmen eröffnen. Die Krise zeigt uns auch sehr deutlich, welche Hausaufgaben in unseren Unternehmen oder Arbeitsbereichen in den letzten Jahren liegen geblieben sind, die wir aber nun dringend benötigen. Das wiederum gibt uns die Chance, Dinge neu zu priorisieren und die eigene Strategie zu justieren oder gar ganz neu auszurichten.

Marcel Rütten, HR Blogger HR4Good.com

Was hat mich diese Krise bisher gelehrt? Mich persönlich, dass ich flexibler sein kann, als ich bisher dachte. Das ich mit weniger auskommen kann, als ich dachte und, dass der Spruch, dass Krisen auch Chancen sind, tatsächlich stimmt. Allerdings auch nur dann, wenn man sie als Chance begreift. Das wiederum gilt auch in „Nicht-Krisen-Zeiten“. Gestern sprach ich mit meinen Studierenden über das Wort „Selbstverständlichkeit“. Vielleicht ist es genau das, was ich versuche aus dieser Situation mitzunehmen: Selbstverständlich ist nicht immer selbstverständlich und nicht von selbst verständlich. Es braucht ein Gegenüber, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Ich erhoffe mir für die Zukunft, dass wir alle, die Möglichkeit mit anderen Menschen zusammen sein zu können und voneinander zu lernen, wieder viel mehr zu schätzen wissen.

Sandra Schmidt, Business Coach

Jede Krise ist eine Herausforderung und eine enorme Chance. Gerade in der beruflichen Bildung mit der Zielgruppe der „digital natives“  wurde durch Corona im Hinblick auf remote-teaching und digitale Lernumgebungen enorm viel gelernt. Es ist beeindruckend, wie schnell die Auszubildenden und Ausbilder sich umstellen und neue Wege gehen. Wichtig sind innovative Regelungen z. B. im Hinblick auf Arbeitszeiten sowie das Angebot an Lernunterlagen. Ob über Smartphone oder privaten Notebooks, Zugriffe auf diverse Plattformen und Foren haben. Besonders wichtig war der regelmäßige Kontakt zu den Auszubildenden. In Einzelterminen oder auch in Gruppensessions wurde auf den einzelnen eingegangen und ihnen so viel Rückhalt und Sicherheit wie möglich zu geben. Die Verfügbarkeit der Ausbilder darf aber nicht in einen 24h-Online-Service münden. Auch hier gilt es sicherzustellen, dass es Offline-Zeiten gibt.

Stefan Dietl, Autor

Die Krise zeigt uns, dass eine disruptive Veränderung tatsächlich möglich ist. Gesellschaftlich und geschäftlich sind in den letzten Wochen viele Dinge in Gang gesetzt worden, die vermutlich vorher niemand für möglich gehalten hat. Die Sprünge in Digitalisierung und „new work“ (homeoffice, digitale collaboration) , wie z. B. in vielen Unternehmen wären nur unter großer Anstrengung und Widerstand in die Umsetzung gekommen. Die Herausforderung wird sein, diese Erfahrung und diesen Veränderungsdrang (oder – Willen) für „Danach“ zu erhalten.

Nadine Reers-Kleinhenz, Expertin für Change Management

Noch sieht es so aus, als haben wir noch eine ganze Zeit mit Entbehrungen vor uns. Wir sind gespannt, wie die Krise uns und die Arbeitswelt verändert und welche Learnings wir am Ende der Krise beibehalten und in den Alltag integrieren!

Um dir den Lesefluss zu erleichtern, haben wir nur die männliche Form gewählt. Dies ist nicht geschlechtsspezifisch gemeint, sondern geschah ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit.

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