Employer Branding in Krisenzeiten – der Lebensmitteleinzelhandel


“Meine Mitarbeiter tun alles Mögliche, um Ihnen derzeit volle Regale bieten zu können. Bitte haben Sie Nachsicht und seien Sie freundlich. (…) Meine Mitarbeiter werden weiterhin nicht auf Urlaubstage verzichten müssen und trotz der Situation Ruhepausen einhalten.”

Leere Nudel- und Klopapier-Regale – das sind wohl Bilder, die uns selbst in einigen Monaten und vielleicht Jahren noch nicht aus den Köpfen gegangen sein werden. Wenn es eine Branche gibt, die neben den Pflegekräften und der gesamten Gesundheitsbranche in der aktuellen Coronavirus-Krise besonders viel Aufmerksamkeit bekommt, dann ist das wohl der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Während viele Arbeitgeber versuchen, ihre Mitarbeiter nach Hause zu schicken, sie im Home Office zu organisieren und weitestgehend zu schützen, sind es unter anderem die Mitarbeiter im LEH, die weiterhin jeden Tag das Haus verlassen und sich an ihrem Arbeitsplatz dafür einsetzen, dass unsereins Nudeln und Klopapier kaufen kann.

In meinem Supermarkt hängt seit ein paar Tagen an jeder Kasse ein offener Brief der Marktleitung, in dem der Einsatz der Mitarbeiter gelobt und eine faire Behandlung zugesichert wird. Natürlich sollte das selbstverständlich sein und nicht nur in Krisenzeiten ausgesprochen werden. Aber gerade jetzt sind Marktleitung – und Bevölkerung – auf jeden einzelnen Mitarbeiter angewiesen, der sich um volle Regale, saubere Einkaufswagen und das Kassieren kümmert. Vielleicht ist das eine Chance für die Branche und auch die einzelnen Berufsbilder, die sich dahinter verbergen. 

Employer Branding in Krisenzeiten ist eine Chance für Arbeitgeber

Vielleicht führt diese Situation auch dazu, dass wir Frau Müller und Herrn Maier aus der Filiale, in der wir jeden Tag einkaufen gehen, ab jetzt mit anderen Augen sehen. Vielleicht wird dadurch auch dieser Satz in deutschen Kinderzimmern weniger häufig fallen: “Streng dich an, sonst musst du am Ende an der Kasse arbeiten!”

In jedem Fall aber kann diese Situation eine große Chance für den LEH und das Image der einzelnen Berufsbilder sein. Und nicht nur das: Vor allem Arbeitgeber haben jetzt die Chance, sich hervorzutun. Indem sie ihr Möglichstes dazu tun, um ihre Mitarbeiter in den Filialen zu schützen und zu unterstützen. Denn ungefährlich ist der Einsatz nicht – vor allem für die ältere Mitarbeiter:

Hier gehen viele Filialen und Ketten schon richtige Wege, indem sie Personal aufstocken und dadurch vor allem auch Risikogruppen unter ihren Mitarbeitern schützen.

So hat sich zum Beispiel Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der REWE Group, diese Woche dazu geäußert, dass aufgrund der möglichen Personalengpässe ab sofort unkomplizierte Bewerbungen angeboten werden. LIDL spricht auf Instagram auch ganz gezielt Studenten an, die aktuell aufgrund der Uni-Schließungen Zeit haben, um auszuhelfen:

Auch Aldi Süd und EDEKA – sogar die Drogeriekette DM richten ihre Social Media Kommunikation jetzt ganz gezielt an ihre wichtigste Ressource: Die eigenen Mitarbeiter.

Employer Branding in Krisenzeiten

Plötzlich wird hervorgehoben, was in Stellengesuchen für Aushilfen, Azubis und Fachkräfte im LEH oft leider fehlt: Dass all diese Mitarbeiter einen wichtigen Anteil am Motor haben, der unsere Gesellschaft versorgt. Dass sie dazu beitragen, dass wir in Zeiten, in denen wir es gar nicht zu schätzen wissen, all das kaufen können, was wir brauchen.

Dass sie nicht nur Kassieren, Ausladen oder Verräumen, sondern streng genommen dafür sorgen, dass wir alle beruhigt schlafen gehen können, weil wir wissen: Morgen können wir unseren Kühlschrank wieder auffüllen gehen, der Supermarkt füllt sich über Nacht ja auf magische Weise. 

Mitarbeiter wertschätzen – vor allem jetzt!

Ich wünsche jeder Filiale und jedem Marktleiter die Weitsicht, gerade jetzt die eigenen Mitarbeiter im Blick zu haben. Denn gerade wenn in Krisenzeiten gewertschätzt wird, zahlt das auf die Arbeitgebermarke ein. Jeder einzelne Mitarbeiter, der jetzt das Gefühl hat, dass der Arbeitgeber hinter ihm steht und seine Arbeit wertschätzt, trägt genau das als Botschaft in sein Netzwerk hinein. Und bei steigendem Personalbedarf wird es in den kommenden Wochen viele Aushilfen geben, die mit dem LEH in Berührung kommen – genau hier kann eine große Chance auf Mitarbeiter- und Nachwuchsgewinnung liegen. Wenn sie fair behandelt, entlohnt und gehört werden.

Jede Filiale und jeder Markt, der jetzt die Chance nutzt, legt damit einen großen Grundstein für eine positive Arbeitgebermarke. Vor allem für ländliche Gebiete wird das wichtig: In der nächsten Zeit werden sich deutliche Differentiatoren zwischen den einzelnen Ketten und Filialen herausbilden. Marktleiter und Verantwortliche sind jetzt am Zug und müssen sich überlegen, wie sie ihre Mitarbeiter schützen, motivieren und erhalten können. Da wird Kreativität gefragt sein und auch der Mut, um neue Lösungen und Wege zu gehen. 

Nicht vergessen: Alles, was jetzt passiert, wir noch lange nach der Krise auf die Arbeitgebermarke einzahlen. Und weil’s so schön ist und mit Sicherheit für ein Schmunzeln sorgt, überlassen wir die letzten Worte dieses Beitrags dem Kindermund:

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