Influencer sind wie Einhörner – Chancen & Grenzen von Influencer-Marketing

“Geht noch in 2017 in Influencer Marketing!”

Mit diesen Worten hat Andreas Bersch, Geschäftsführer der Agentur Brandpunkt, in diesem Jahr die AllFacebook-Konferenz eröffnet. Macht Sinn, möchte man meinen, das Thema ist aktuell mehr denn je in aller Munde. Ich selbst habe mich allerdings schon dabei ertappt, wie ich genervt die Augen verdreht habe, bei dem ein oder anderen “Sponsored Post” – wie es immer so schön in Hashtags unter den bezahlten Postings steht. Denn, leider ist es auch mit dieser Werbeform ähnlich wie mit allen anderen Dingen, die gut funktionieren: Irgendwann hat es jeder entdeckt, jeder will ein Stück vom Kuchen und die (Netz-)Welt wird überflutet. In einem Meeting habe ich mal für großes Schmunzeln gesorgt, als ich genervt geäußert habe

“Influencer sind irgendwie wie Einhörner. Am Anfang waren sie noch geil, jetzt tauchen sie überall auf und nerven nur noch.”

In dem Moment, in dem das passiert, ist – und das ist jetzt nur rein unsere subjektive Meinung – eine Übersättigung erreicht worden. Versteht mich nicht falsch – ich finde das Thema sehr spannend und bin der Meinung, dass dahinter für Marken, Unternehmen und vor allem Arbeitgber immer noch enormes Potential steckt. Aber so langsam kristallisiert sich auch heraus, dass Influencer-Marketing eben nicht das Allheilmittel unter den Werbeformen ist, sondern auch nur ein weiteres Instrument. Und wie das mit Instrumenten nunmal so ist: Wenn man sie nicht beherrscht, kommt dabei kein stimmiges Ergebnis heraus. Was wir damit sagen wollen: Es gibt enorme Chancen in diesem Bereich für Unternehmen – aber auch Grenzen.

„New king of Content“ oder „new king of advertising“?

Im Jahr 2015 hat die Influencer-Plattform The Shelf eine Studie zum Thema Influencer-Marketing veröffentlicht. Eingeleitet wurde diese mit dem Wortlaut:

“Influencer Marketing is the new king of content!”

Seit dem hat sich viel getan. Ich frage mich – zählt Influencer Marketing noch als Content? Denn vielleicht ist das auch schon eine der Grenzen – Aufgrund der hohen Nachfrage können Influencer heute Honorare verlangen, die viele Marketing-Budgets übersteigen. Bi­an­ca Hei­ni­cke (24) ali­as Bibi, die bekannteste weibliche YouTuberin Deutschlands, soll allein mit Videos 50.000 Euro im Monat verdienen. Man kann sich ausrechnen, was ein Unternehmen also für eine Platzierung in einem ihrer Videos zahlt. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniert hier beispielhaft – die Nachfrage ist hoch, das Angebot auch – aber es lässt sich auch gut bezahlen.

Geld regiert die Influencer-Welt

Hier versteckt sich auch der zweite Haken – Influencer sind gerade deswegen so gefragt, weil sie die Vorbilder der jungen Generation sind. Während ich früher die SchauspielerInnen aus meinen Lieblingsserien (damals hieß es noch “Serie”) toll fand und versuchte deren Style nach zu ahmen – sind das heute die Stars auf YouTube, Instagram und Snapchat. Man mag es kaum glauben – aber junge Menschen brechen in Tränen aus, wenn sie ihre Social Media-Idole treffen. Da ist es kein Wunder, dass die Follower eben dieser für Marken so interessant sind. Wenn sich Bibi für ein bestimmtes Produkt ausspricht, dann werden viele ihrer jungen Follower ihr glauben und das Produkt ausprobieren. Und weil das so gut funktioniert, werden die Feeds vieler Influencer leider überschwemmt von Produktplatzierungen und Postings, die markiert sind mit “Ad” oder “sponsored”. Der authentische Content verliert an Relevanz – verständlich. Denn obwohl jeder Influencer betont, dass er nur Kooperationen mit Marken und Produkten eingeht, die er auch selbst gut findet – sein wir mal ehrlich: Geld regiert leider mittlerweile auch die Influencer-Welt.

Auf Instagram inspiriert: Happy Strappy

Versteht mich nicht falsch – ich bin ein großer Fan dieser Werbeform, die viel Potential bietet. Wie genial ist es denn, dass ich als Marke heute so gezielt werben kann? Ich sehe hier vor allem Vorteile für Marken und Unternehmen, die im Marketing selbst nicht so breit aufgestellt sind. Sie haben die Möglichkeit hier aus einem großen Pool an Testimonials zu schöpfen.

Genauso Start-Ups oder Unternehmen, die neue Produkte einführen. Kaum eine Werbeform gibt mir die Möglichkeit, mein Produkt so schnell und gezielt in aller Munde zu bringen. Eins meiner Lieblingsbeispiele hier ist das Unternehmen “Happy Strappy”. Das Start-Up hat von Anfang an mit Instagrammern zusammen gearbeitet, denen sie den Handyhalter (übrigens ein geniales Ding, ich will nie mehr ohne!!) zur Verfügung gestellt haben. So bin ich auch darauf gekommen – ich habe es bei einigen Instagrammern gesehen, denen ich folge, habe es ausprobiert und direkt weiterempfohlen. Ein Paradebeispiel. 🙂

 

Minimalistisch. Praktisch. Und auch echt schön #nostrappynome #happystrappy

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Insgesamt würde ich sagen, ist sind Influencer im Marketing-Mix angekommen. In dem Moment, in dem Unternehme gezielt Mitarbeiter einstellen, die sich um die Koordination und die Zusammenarbeit mit Influencern kümmern, hat sich die Werbeform etabliert. Und um es mal abgesehen vom Marketing-Sprech zu sagen: Ich selbst habe im vergangenen Jahr mehrfach Produkte gekauft, weil ich sie auf Instagram oder Snapchat bei jemandem gesehen habe. Ob es sich dabei um einen bezahlten Beitrag gehandelt hat oder nicht – das habe ich nicht wahrgenommen. Aber das Prinzip – sich von anderen Menschen inspirieren zu lassen – das funktioniert einwandfrei. 😉

Im Arbeitgebermarketing sucht man Influencer bei vielen Unternehmen (noch) vergeblich. Das hat auch seinen guten Grund, denn selten hat man das Glück einen Influencer zu finden, der etwas mit dem zu bewerbenden Beruf oder Unternehmen zu tun hat. Hier gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Eine langfristige und exklusive Zusammenarbeit, die aus dem Influencer quasi ein Testimonial für das Unternehmen macht, oder kleine Highlights wie beispielsweise „One Day in a Job of…“-Videos, in denen ein Influencer den jeweiligen Job für einen Tag testet. Wenn euch interessiert,welche guten Beispiele es in der Zusammenarbeit mit Influencern im Personalmarketing gibt, schaut mal bei Melanies Beitrag vorbei. 😉

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