Generation Snapchat – Bewerbung per Video?

„Du sag mal, kannst du mal ganz schnell meine Bewerbung Korrekturlesen?“ – wer jüngere Geschwister hat, der kennt diese Anfrage sicherlich. Auch ich habe viele Stunden vor unformatierten Word-Dokumenten mit verschachtelten Sätzen und schüchternen Bewerbungstexten gesessen, habe umformuliert und immer wieder dieselbe Rückfrage gestellt: „Warum bewirbst du dich denn ausgerechnet für diesen Job? Das muss hier klar werden!“ Die persönliche Note – der Teil, der ausmacht warum ich zu diesem Job und Unternehmen passe wie die Faust aufs Auge, gestaltet sich immer wieder als der schwierigste Teil. Vor allem, wenn man noch ganz am Anfang der eigenen Karriere steht und sich das erste Mal bewirbt. „Ich will doch erstmal nur einen Einstieg ins Berufsleben“, lautet meist das Argument für ein wenig individuelles und per Copy-Paste zusammengeschustertes Anschreiben.

Ganz im Gegenteil ein ehemaliger Kollege, der sich für eine ausgeschriebene Stelle besonders interessierte und sein Interesse kurzerhand per Snap an den Account des Unternehmens bekundete. Eine Idee, die Mut bedarf und die nötige Kreativität, um auf diesen Weg der Kommunikation erstmal zu kommen. Und erfolgreich ist sie, denn per Snap gibt der Bewerber mehr von sich preis, als in einem gewöhnlichen Anschreiben. In einem Video – egal wie kurz es ist – hat man auf ganz andere Art und Weise die Möglichkeit sich ein Bild des Gegenübers zu machen.
Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt vielleicht „Okay – wo ist jetzt die Verbindung zwischen den beiden obigen Absätzen, was mag da jetzt kommen?“. Ich löse auf: Es geht um „JobUFO“ – die App gibt jungen Leuten die Möglichkeit, sich per Handyvideo direkt beim Unternehmen zu bewerben. Ganz einfach, mit wenigen Klicks direkt über das eigene Smartphone. Das gleichnamige Unternehmen JobUFO arbeitet mittlerweile schon mit einigen großen Unternehmen in Deutschland zusammen. Das Handling der App ist easy: Über eine Suchmaske kann nach Unternehmen, Ort und Beruf gefiltert werden – mit zwei Klicks auf den gewünschten Job kann man sich dann direkt mit einem kurzen Video bewerben.
Klasse finde ich, dass der Bewerber hier auch noch Hilfestellung bekommt – es gibt Beispiel-Videos und Tipps für das eigene Video, von denen man sich einiges abschauen kann. Man kann das Video anschließend auch noch bearbeiten und schneiden, bevor man es abschickt.

Die App JobUFO im Selbstversuch

Ganz unabhängig davon – ob dieser Weg der Bewerbung bei der Zielgruppe gut ankommt und funktioniert – er ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Denn – um es mit einem Zitat von Mark Zuckerberg zu sagen:
Einst lebten wir auf dem Land, dann in den Städten und von jetzt an im Netz.
Wenn wir mit der Zeit gehen und die Zielgruppen dort ansprechen wollen, wo sie sich aufhalten, dann müssen wir auch im Recruiting neue Wege gehen. Und seien wir mal ehrlich – es ist mittlerweile vollkommen im Tagesgeschehen etabliert per App einzukaufen, per App zu kommunizieren, per App nach Jobs zu suchen – warum nicht auch per App schnell und einfach bewerben?
Auch wenn noch viele Fragen offen stehen, wenn noch nicht geklärt ist, wie sich diese Form der Bewerbung an Online-Bewerberportale anschließen lassen, wie ausgewertet wird und wie zeitaufwändig dieses Angebot ist – ich bin gespannt, was Unternehmen in Zukunft draus machen und ob die App sich durchsetzen wird. Gerade weil an Schulen immer noch das klassische Bewerbungsanschreiben gelehrt wird – es bleibt spannend. 🙂
Bildquelle: https://www.jobufo.com/

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