#AufdenTischhauenfürHebammen – Wie man Social Media nutzt, um sich eine Lobby aufzubauen

Social Media im Personalmarketing ist – gerade für kleinere Unternehmen oder auch Freiberufler – oft noch ein böhmisches Dorf. Wo beginnt man, was kommuniziert man und vor allem: Was bringt das überhaupt? Fragen, die wir schon oft gehört haben. Im Prinzip geht es, wenn man es auf das Wesentliche runter bricht, erstmal um eines: Aufmerksamkeit erregen. Und das muss gar nicht schwer sein und auch nicht immer direkt eine riesen Kampagne. Das zeigt ein aktuelles Beispiel – die Social Media Initiative #aufdenTischhauenfürHebammen.

Wer macht eigentlich Personalmarketing für ein Berufsbild, das zu einem großen Teil aus Selbständigen besteht?

Rund 80 Prozent der Hebammen in Deutschland arbeiten freiberuflich – dabei reicht das Aufgabenbiet oft über die reine Geburtshilfe hinaus: Vorsorge, Nachsorge, Babymassage, Rückbildungsgymnastik, Fitnesskurse – um nur einen kleinen Teil zu nennen. Soweit, so gut. Was an dieser konkreten Stelle für freiberufliche Hebammen aber so schwierig ist, ist der hohe Versicherungsbeitrag. Und alle Freiberufler jetzt so: „Kenn ich!“ Mag sein – aber braucht ihr auch eine Haftpflichtversicherung, die Menschenleben versichert? Denn eine Geburt ist mit Risiken verbunden und dagegen müssen Hebammen sich absichern.

Leider haben sich die Prämien für freiberuflichen Hebammen in den letzten 15 Jahren mehr als verzehnfacht. Dazu kommt ein ohnehin oft schon niedriger Verdienst, sodass die Prämien oft nicht bezahlt werden können.

„Ich würde ja Hebammen werden, aber das lohnt sich bei den Beiträgen ja kaum…“ hat mal eine Freundin zu mir gesagt. Und diese Meinung ist auch kein Wunder. Denn eins der wenigen Dinge, das man öffentlich über dieses Berufsbild hört, ist die Diskussion um die Existenz der freiberuflichen Hebammen und die enormen Versicherungsbeiträge. Gäbe es so etwas wie ein „umgekehrtes Personalmarketing“ – dieses Berufsbild wäre ein Paradebeispiel. Das bestätigt mir auch Rita Mißmahl, freiberufliche Hebamme mit ihrer eigenen Praxis. Ihre Antwort auf die Frage, was die größten Probleme von Hebammen aktuell sind lautet prompt: „Eine angemessene Vergütung der Leistung, Haftpflichtversicherung und Würdigung des Berufsstandes sowie eine fehlende Lobby.“

Daran muss sich etwas ändern, finde ich. Denn – so ein weiteres Statement von Rita Mißmahl – hier geht es ja nicht nur um eine Berufsgruppe, die sehr gute und wichtige Arbeit leistet, sondern auch deren Patienten – Eltern und im Speziellen Frauen,die ein Recht auf eine natürliche Geburt und Betreuung haben. Deswegen ist die Initiative „Auf den Tisch hauen für Hebammen“, die in einer Ausgabe der  “ entstanden ist, ein guter Anfang wie ich finde. Unter dem Hashtag #aufdenTischhauenfürHebammen verbreiten Hebammen und Sympathisanten quer durch Deutschland aktuell Videos auf Facebook, Instagram und YouTube mit einem simplen Statement: Es wird auf den Tisch gehauen. „Was soll das denn bringen?“ – habe ich unter einem Beitrag gelesen. Ganz einfach: Aufmerksamkeit. Das ist ja das tolle an Social Media: Nachrichten, Ideen und Initiativen verbreiten sich einfach mit wenigen Klicks. So auch in diesem Fall – im Netz hat sich das Video auf unterschiedlichen Facebookseiten verbreitet (Beispiel Frau tv) und auf Instagram finden sich mittlerweile knapp 250 Beiträge unter dem Hashtag #aufdentischhauenfürHebammen.

Und da bin ich auf jeden Fall dabei, denn Leidenschaft für Personalmarketing heißt ja auch Leidenschaft und Interesse für Berufe und deren Entwicklungen, oder? Gerade, wenn es um ein so traditionelles und kulturelles Berufsbild, wie das der Hebamme geht. Die Initiative zeigt ist auf jeden Fall ein schönes Beispiel dafür, wie Social Media funktionieren und wie man es gemeinsam schaffen kann, Aufmerksamkeit zu erregen. Ich finde, das macht Mut, oder?

Wenn Rita Mißmahl sich übrigens einen Traum-Azubi „bauen“ dürfte, würde der folgendes mitbringen: „Feinfühligkeit, Flexibilität, ein gesundes Selbstbewusstsein, Respekt vor anderen Menschen, Charakterstärke und Wissbegierigkeit.“

 

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